Pflegereform 2022 – Top oder Flop?

von | 23. Nov. 2022 | Gesundheitspolitik | 0 Kommentare

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Dramatische Situation: „In den Heimen geht es zu wie am Fließband“

Krankenschwester und Pflegeassistent schildern die dramatische Situation in Alten- und Pflegeheimen: „Stationen werden gesperrt, Betten nicht nachbesetzt, weil man die Leute nicht mehr versorgen kann.“

Personalengpässe, Patienten-Aufnahmestopps, Stress, Druck, fehlende Zeit für Gespräche mit den Menschen und ausgebrannte, kranke Pflegekräfte, die ihren Beruf aufgeben – in regelmäßigen Abständen hört man in Kärnten Hilferufe wegen angeblicher untragbarer Zustände in Kärntner Alten- und Pflegeheimen. Die Politik kalmiert. Daher haben wir Kontakt mit Personen aufgenommen, die an der Front, also am Patienten, arbeiten. Und die Situation ist weit dramatischer als angenommen.

Verena Primig (44) ist diplomierte Krankenschwester, seit 25 Jahren im Beruf verankert. Erst in einem Kärntner Krankenhaus, jetzt in einer stationären Pflegeeinrichtung. Doch die laut Eigendefinition „Krankenschwester aus Leidenschaft“ leidet. „Im Spital fährt einen das System fertig. Personalkürzungen, Druck von oben. Und jetzt im Pflegeheim: Familiärer, aber die Personalnot ist ein Irrsinn, auf 100 Bewohner kommen zehn Pflegeassistenten und zwei Diplomschwestern.“

„Es bleibt keine Zeit“

„Es geht zu wie am Fließband, im Hintergrund wartet der Nächste“, erzählt sie. „Ich will mit den Leuten, die viel Geld für die Unterbringung zahlen, reden. Ich will mich um sie kümmern, will ihnen helfen. Es bleibt keine Zeit. Die geht drauf für Bürokratie, Dokumentation, Gespräche mit Angehörigen, ich bin eine teuer bezahlte Sekretärin. Das, was meinen Beruf ausmacht, ist nicht mehr da.“

Die Forderungen der Pflege

Die Pflege fordert aber von Land und Bund zusätzlich strukturelle Maßnahmen:

  • Senkung des Personalschlüssels. Auf einen Mitarbeiter kommen aktuell 2,4 Bewohner. Der Schlüssel soll auf 1:2 gesenkt werden.
  • Überarbeitung der Heimverordnung: Einstellung von Hilfskräften, die nicht-pflegerische Tätigkeiten erledigen. Damit würden Ressourcen für Pflegekräfte frei – diese Hilfskräfte dürfen nicht im Pflegeschlüssel enthalten sein. Das ist eine langjährige Forderung, die kurz- und mittelfristig den Personalnotstand abfedern würde.
  • Lohn: Adäquate und bessere Bezahlung, Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden.

MFG – Diese beschriebene Situation gibt es nicht nur in Kärnten – nein – aus allen Bundesländern Österreichs werden solche und ähnliche Zustände gemeldet. Die Pflegereform 2022 ist ein Rohrkrepierer – es werden/wurden zwar die Gehälter angepasst – aber an der Situation in den Heimen hat sich bis dato nichts verändert. Erst wenn Missstände wie hier aufgezeigt werden, wird die Politik aktiv – diese unser Bericht vom Pflegeheim Skandal in Salzburg.

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