Es krankt gewaltig – auch in der Steiermark
Inmitten wachsender Herausforderungen erkennen wir: Trotz einzelner Ansätze zur Stabilisierung läuft etwas gewaltig schief in Österreichs Gesundheitssystem – besonders auch in der Steiermark.
WUSSTEST DU SCHON?
- In der Steiermark fehlen laut AK-Studie rund 900 Pflegekräfte
- Fast 1/3 der Kinder zwischen 5–9 Jahren in Österreich sind übergewichtig oder adipös – in sozialen Brennpunkten sogar noch mehr
- In vielen steirischen Spitälern betragen die Wartezeiten auf Operationen über 30 Tage
- Die Zahl der Rettungseinsätze ist in manchen Bezirken um bis zu 40 % gestiegen (z. B. Liezen)
Die Lage in den Notaufnahmen
In der überfüllten Notaufnahme herrscht Ausnahmezustand. Während das Personal am Limit arbeitet, warten Patienten stundenlang.
Ein vertrautes Bild in Graz, Leoben oder Bruck – zunehmend auch in Bezirken mit unterversorgter Primärmedizin. Die Zahl der Rettungseinsätze ist in den letzten Jahren in der Steiermark rasant gestiegen. Im Bezirk Liezen etwa betrug der Anstieg über 15 % allein im Jahr 2022, Tendenz weiter steigend (Quelle: Rotes Kreuz Steiermark). Landesweit werden bis zu 40 % Zunahme seit 2020 genannt.
Wartezeiten auf planbare Operationen wie Knie- oder Hüftgelenke überschreiten oft 30 Tage, wie aktuelle Zahlen der KAGes zeigen.
Ursachen der Überlastung
- Demografischer Wandel: mehr alte Menschen, steigender Pflegebedarf
- Personalmangel: v. a. bei Pflegekräften und Landärzten
- Bürokratie: Regelungen zu Arbeitszeiten, Dokumentationspflichten, Ausbildungsauflagen
- Überregulierung: hohe Hürden für Kassenstellen
- Zunehmende Spezialisierung mit erhöhtem Ressourcenbedarf
- Impffolgen & neue Krankheitsbilder (z. B. Myokarditis)
- Spitalschließungen & Zentralisierung, z. B. in Mürzzuschlag
Eine Studie der AK Steiermark (2023) belegt: Über 60 % des Gesundheitspersonals fühlen sich psychisch und physisch überfordert und denken an Berufsausstieg.
Was wird bereits versucht?
- Gesundheitsplan 2035: 14 Mrd. Euro für Pflege & Versorgung bis 2028
- Teilung von Kassenplanstellen – endlich in Umsetzung, besonders für Allgemeinmedizin
- Leitfaden „Wohin mit welcher Krankheit?“ von der Ärztekammer Steiermark – als Orientierungshilfe für PatientInnen
- KAGes-Initiative zur Verkürzung der Wartezeiten
- Digitale Projekte wie „HerzMobil“ senken die Sterblichkeit bei Herzpatienten
- Neues Strahlentherapiegerät in Leoben, um Engpässe zu beheben
- eHealth-Strategie: digitale Gesundheitsapps, Online-Terminbuchung und Videoberatungen.
- Elektronische Gesundheitsakte ELGA, die elektronische Sammlung aller Gesundheitsdaten, wobei sich wegen der Datenschutzproblematik mehr ab-, statt anmelden.
- Gesundheitshotline 1450: wer dort mal Hilfe suchte, hat sich bereits ein Bild gemacht, wie gut diese funktioniert.
Was braucht es jetzt wirklich?
- Verwendung von beratender (nicht entscheidender!) KI für Ärzte und Patienten die Kliniken, Fachärzte, ganzheitliche Methoden und Notfallambulanzen verbindet um schnellere Lösungswege aufzuzeigen, gekoppelt mit analoger Begleitung für Ältere
- Mehr Kassenstellen – echte Anreize für Landärzte und junge Mediziner Aufwertung der Pflege: bessere Bezahlung, mehr Ausbildungsmöglichkeiten
- Regionalisierung statt Zentralisierung: kurze Wege, menschliche Nähe
- Datensouveränität: ELGA darf niemals Pflicht sein! Es braucht klare Regeln und echte Wahlfreiheit
Wie gesund ist unser modernes Leben wirklich?
Wir leben länger – und sind doch kränker: mehr Depressionen, Burnout, Adipositas, Suizide. Die Zahl der Antidepressiva-Verschreibungen ist in der Steiermark in den letzten 10 Jahren um über 50 % gestiegen (Quelle: Gesundheit Österreich GmbH). Kinder leiden zunehmend an Übergewicht, Bewegungsmangel, Medienabhängigkeit – Tendenz steigend.
Fazit
Das steirische Gesundheitssystem steht unter Druck. Digitalisierung und Geld allein reichen nicht – es braucht eine ganzheitliche, menschlich orientierte, entschlackte Versorgungspolitik mit Herz, Hausverstand und Zukunft und ein viel stärkere Betonung auf Vorbeugung im Sinne gesundheits-fördernder und -erhaltender Maßnahmen.
*Quellen: AK Steiermark (2023), Rotes Kreuz Steiermark, KAGes, Gesundheit Österreich GmbH, EUFIC Adipositasstatistik (2023), Kleine Zeitung, ORF Steiermark*
„Weniger Krankheiten bedeuten weniger Überlastung. Aber was, wenn Prävention im System kaum vorgesehen ist? In Teil 4 zeigen wir, warum echte Gesundheitsvorsorge mehr ist als ein Blutbild und wie wir sie endlich systemisch verankern könnten.“