Gesundheitssystem am Abgrund: Die gesundheits-lähmende Bürokratie

Sep. 17, 2025 | Allgemein, Gesundheitspolitik, MFG Steiermark

Wenn der Arzt mehr Zeit am Computer als beim Patienten verbringt

 

„Dafür werden Ärzte nicht ausgebildet“

Ein Arzt am Schreibtisch ist ein Arzt, der keine Zeit für seine Patienten hat. Dieses Systemproblem ist nicht neu – doch es wird mit jedem Jahr schlimmer.

Originalzitat – Dr. Michael Novak, Unfallchirurg, Orthopäde und Radiologe am LKH Graz: „Ich arbeite wöchentlich auf der Notfallambulanz, im OP und auf der unfallchirurgischen Station und verbringe unzumutbar viel Zeit mit Bürokratie. Dafür wurden wir nicht ausgebildet – wir sind für die Arbeit am Menschen vorgesehen.“

 

Zahlen, die alarmieren:

  • Laut Ärztekammer sehen sich 77 % der Ärzte durch administrative Auflagen in ihrer Ausbildung eingeschränkt.
  • Fast ebenso viele geben an, dass die Bürokratie auch in der Patientenarbeit massiv stört.
  • Das neue, EU-vorgeschriebene Ärztedienstrecht hat laut BKAÄ (2024) die Betreuungsqualität weiter verschlechtert.
  • Die Ausbildungsevaluierung 2024 der österreichischen Ärztekammer mit über 4800 Ärzten offenbarte das dramatische Missverhältnis: 51,6 Prozent der Arbeitszeit geht nur für Administration drauf.

Die Forderung, Dokumentationsassistenten in allen Abteilungen einzuführen, ist seit Jahren bekannt – doch der politische Wille fehlt.

 

Das Drama im Nachtdienst

Ein Beispiel aus dem Alltag: Gibt es Bettensperren, verbringen Ärzte Stunden im Nachtdienst mit Telefonaten, um freie Betten zu finden – Aufgaben, für die keine medizinische Ausbildung nötig wäre. Das kostet Kraft, Zeit und Nerven – auf Kosten der Patienten.

Es entsteht eine Negativspirale: Weniger Personal → mehr Bürokratie → weniger Zeit für Patienten → noch weniger Personal → Burnout.

 

Die harte Realität in Zahlen
(Quelle: Ausbildungsevaluierung ÖÄK 2024)

  • Ø 47,4 Wochenstunden Gesamtarbeitszeit von Jungärzten
  • 24,5 Stunden davon für Administration & Dokumentation
  • Nur 17,1 Stunden für Visiten, OPs, klinische Untersuchungen oder Angehörigengespräche

Natalja Haninger-Vacariu (Turnusärztevertretung): „Das ist schlecht für Patienten, aber auch für Ärzte – wir brauchen dringend einen echten Bürokratieabbau.“

 

Wenn Zentralisierung zur Entmenschlichung führt

Dr. Armin Breinl, langjähriger Arzt am LKH Bruck, kritisiert die Zusammenlegung von Spitälern (z. B. Bruck & Leoben): „Die Versorgungsqualität leidet, die Wege werden länger, die Versorgung unpersönlicher.“

 

Was jetzt zu tun wäre:

  1. Dokumentationsassisten in allen Spitälern
    – zur Entlastung der Ärzte und für mehr Zeit am Patientenbett
     
  2.  Verfassungsreform zur Harmonisierung von Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kassen
     
  3. Anpassung des Ärztedienstrechts, Teil- und Vollzeitmodelle sind gewünscht
    – mehr Eigenverantwortung, weniger Vorschriften, echte Kontinuität in der Betreuung
     
  4. Landarzt-Initiativen stärken
    – z. B. durch Steuererleichterungen und KI-gestützte Adminhilfen
     
  5. Moderne Präventionszentren in den Bezirken
    – Mikronährstoffdiagnostik, Ernährungsberatung, Bewegung, Homöopathie, Kräuterkunde

 

Fazit

Die Bürokratie frisst Menschlichkeit. Wenn wir unsere Ärzte an den Computer ketten, statt ihnen beim Heilen zuzusehen, dann ist es Zeit für einen Systemwechsel.

Wir brauchen keine Verwaltungskünstler in Kitteln – wir brauchen Menschen, die heilen dürfen.

Teil 6 wird sich mit dem heiklen Thema der Impfnebenwirkungen beschäftigen und dieses Tabuthema gründlich beleuchten.

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