MFG OÖ fordert Transparenz bei Beschäftigungsmodellen von DAT

Feb. 27, 2026 | Allgemein, Grundrechte, Wirtschaftspolitik

Verdacht auf prekäre Beschäftigungsmodelle bei Fluglinie DAT: Kostenersparnis offenbar zulasten der Beschäftigten

 

Der MFG Oberösterreich wurden Hinweise darauf herangetragen, dass die Fluglinie DAT (Danish Air Transport) zur Kostensenkung auf ausgelagerte Beschäftigungskonstruktionen zurückgreifen könnte. Konkret deuten vorliegende Informationen darauf hin, dass Crewmitglieder und Piloten zumindest teilweise nicht direkt bei der Fluglinie angestellt sind, sondern über die in Zypern ansässige Personalagentur Nordic Crew Supply Limited (NCS) tätig werden.

 

Scheinselbstständigkeit bei DAT? MFG Oberösterreich sieht gravierende arbeitsrechtliche Risiken

Nach den der MFG Oberösterreich vorliegenden Informationen schließen betroffene Crewmitglieder Dienstleisterverträge nach Art von Selbstständigen mit dieser Gesellschaft ab, während DAT die Arbeitsleistung der Crew über ein entsprechendes Auftragsverhältnis bezieht. Dieses Beschäftigungsmodell wirft erhebliche arbeits- und sozialrechtliche Fragen auf.

So bestehen für die betroffenen Beschäftigten offenbar keine Ansprüche auf eine gesetzliche Pensions- oder Sozialversicherung, keinen bezahlten Urlaub, keine Mutter- oder Vaterkarenz sowie keine Absicherung durch Kollektivverträge. Darüber hinaus sehen die vorliegenden Verträge vor, dass Steuern und Abgaben von den Crewmitgliedern selbst zu berechnen und abzuführen sind. Aus Sicht der MFG Oberösterreich deutet dies auf eine systematische Verlagerung arbeitsrechtlicher Verantwortung auf die Beschäftigten hin.

Besonders brisant ist, dass vergleichbare Konstruktionen bereits international beanstandet wurden. In Norwegen wurde die Fluglinie DAT von der zuständigen Luftfahrt- und Arbeitsaufsichtsbehörde mit täglichen Zwangsstrafen belegt, nachdem Verstöße gegen arbeitsrechtliche Mindeststandards festgestellt worden waren. Neben fehlenden Arbeitsverträgen und sozialrechtlichen Absicherungen wurden auch Arbeitsschutzbestimmungen beanstandet – darunter Mängel bei der Organisation der Arbeit, beim Schutz vor psychologischen Belastungen sowie bei ergonomischen, physischen, chemischen und biologischen Risiken. Erst nach behördlicher Intervention wurden diese Missstände bereinigt.

 

Atypische Beschäftigungsmodelle im Fokus

Die Austrian Cockpit Association (ACA) verweist auf Nachfrage durch die MFG Oberösterreich in diesem Zusammenhang auf ihren europäischen Dachverband. Die European Cockpit Association (ECA) warnt seit Jahren davor, dass sogenannte atypische Beschäftigungsmodelle in der Luftfahrt zu schlechteren Arbeitsbedingungen, fehlender sozialer Absicherung und letztlich auch zu Sicherheitsrisiken führen können.

Vor diesem Hintergrund stellt sich auch in Österreich eine zentrale Frage: Ist es nur durch solche Kostenverlagerungen auf die arbeitenden Menschen möglich, defizitäre Flugverbindungen wirtschaftlich darzustellen?

Bekanntlich wurde die Verbindung Linz–Frankfurt von der Lufthansa Ende 2025 aufgrund anhaltender Verluste eingestellt. Sollte ein Nachfolgeangebot nur deshalb realisierbar sein, weil soziale und arbeitsrechtliche Standards unterlaufen werden, wäre dies aus Sicht der MFG Oberösterreich nicht akzeptabel. Die Wirtschaftlichkeit würde zu Lasten der arbeitenden Menschen erreicht werden. Darüber hinaus käme es zu immensen Wettbewerbsverzerrungen gegenüber den Mitbewerbern.

Der MFG liegen aus vertraulicher Quelle zudem konkrete Dienstleisterverträge samt Vergütungstabellen zwischen Crewmitgliedern und der Nordic Crew Supply Limited vor, die diese Konstruktionen untermauern. Diese Unterlagen verstärken den Verdacht, dass hier systematisch versucht wird, arbeits- und sozialrechtliche Verpflichtungen zu umgehen.

„Öffentlich relevante Flugverbindungen dürfen nicht auf dem Rücken jener betrieben werden, die tagtäglich Verantwortung für Sicherheit im Luftverkehr tragen. Wirtschaftlichkeit darf kein Freibrief für Lohndumping und den Abbau sozialer Standards sein“, betont LAbg. Joachim Aigner, MFG-OÖ Landesparteiobmann.

 

Klare Rahmenbedingungen für faire Arbeit

Die MFG Oberösterreich spricht sich klar für faire Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung und transparente Beschäftigungsmodelle aus. Wettbewerbsfähigkeit darf nicht durch prekäre Konstruktionen erkauft werden.

„Wenn Fluglinien öffentliche Verkehrsinteressen bedienen, muss nachvollziehbar sein, unter welchen arbeits- und sozialrechtlichen Bedingungen das Personal beschäftigt wird. Die MFG Oberösterreich fordert daher nicht zuletzt von Landeshauptmann Stelzer und Landesrat Achleitner eine umfassende Prüfung dieser Modelle sowie volle Transparenz“, erklärt LAbg. Joachim Aigner.

Die MFG Oberösterreich wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und darauf drängen, dass bei öffentlich relevanten Flugverbindungen Transparenz, faire Arbeitsbedingungen und die Einhaltung arbeits- und sozialrechtlicher Standards sichergestellt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Verbindung mit Millionenbeträgen aus öffentlichen Mitteln subventioniert wird.

 

Rückfragehinweis:
MFG Oberösterreich

(+43 732) 7720 – 17402
presse-ooe@mfg-oe.at
www.klubmfg-ooe.at

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